Schwangere Zeiten

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Ich frage mich, wie das möglich ist, dass der Bauch nicht platzt und wie der noch sechs Wochen lang immer größer werden soll. Ich selbst stoße damit gegen alle möglichen Kanten und Türen und muss aufpassen, mich nicht ernsthaft zu verletzen. Das Treppensteigen in den vierten Stock wird langsam  zum Leistungssport und beim Einkaufen verfluche ich jedes Mal die doch wieder vollgestopften Einkaufstaschen, die ich nur unter Maximaleinsatz des Beckenbodens in die Wohnung gehievt bekomme. Habe ich mir früher dicke Wollstrümpfe über die Füße gezogen, damit sie warm werden und ich schlafen kann, steht jetzt ein Eimer mit kaltem Wasser neben meinem Bett, in den ich meine Socken oder gleich die ganzen Füßen tauche, um sie irgendwie auf Normaltemperatur runter zu kühlen.

Fahrradfahren als autogenes Treten

Doch neben all den Launen und schlaflosen Nächten hinterlässt die körperliche Behäbigkeit auch angenehme Spuren. Alles wird ruhiger und gelassener: ein „bisschen relaxed“, wie die Stimmungskette meiner Tochter eruiert. Wofür andere teure Wochenendseminare buchen, bekomme ich kostenlos. Die natürliche Entschleunigung macht Yoga zur Kuschelrunde,  Spaziergänge zur Schleichpartie und Fahrradfahren zum autogenen Treten. Jede Unebenheit drückt furchtbar unschön ins Becken – und bei so vielen Kreuzberger Pflastersteinen ist das fast unvermeidbar –, so dass ich lieber gleich zu Fuß gehe.

Ein alles verschlingendes, ohrenbetäubendes Monsterungeheuer

Und wie ist das eigentlich: muss man die Nachbarn bei einer geplanten Hausgeburt unterrichten, damit die nicht am Ende mit der Polizei in der Wohnungstür stehen? Vermutlich schon. Und wie bereite ich mich und die Wohnung auf eine Geburt vor? Ich meine, wer oder was hilft mir mit meiner Angst vor den Schmerzen? Jetzt beim zweiten Mal weiß ich ja, dass es kein Gang durch den Gemüsegarten ist, sondern ein unglaublich großes, alles verschlingendes, ohrenbetäubendes Monsterungeheuer. Das zum Glück außerdem mit einer ziemlich ergebnisorientierten Eigenschaft ausgestattet ist: ein Kind zur Welt zu bringen. Trotzdem würde ich mir wünschen, das Monster würde mich nicht, wie beim ersten Mal kaltblütig aus dem Hinterhalt anfallen. Ich möchte ihm sagen: hier geht’s lang alter Freund! Und nicht umgekehrt. Mit monströser Kraft, aber mit einem Freund an meiner Seite, nicht mit einem Feind.

Gebären in absoluter Tiefenentspannung 

Ich habe gerade keine 350€ auf der hohen Kante, sonst würde ich mich womöglich doch noch zu einem Hypnobirthing-Kurs anmelden. Gebären in absoluter Tiefenentspannung – wem ist das kein Traumversprechen? Aber so eine Schwangerschaft ist an sich ja schon ein kostspieliges Unterfangen. Zu den ständig wechselnden Zusatzpräparaten, die alle aus eigener Tasche gezahlt werden müssen – danke Krankenkassen, das lässt die Gebärfreudigkeit der Deutschen bestimmt nicht in die Höhe schnellen! – kommt die Rufbereitschaftspauschale und und und … Aber am Ende siegt sowieso die zuckersüße Vorfreude und legt alles Sorgen und Bedenken lahm. Das hat die Natur glücklicherweise sehr klug eingefädelt.

Popeye, der alte Spinatschummler

Und bei jeder Eisentablette zwinkert mir Popeye, der alte Spinatschummler aufmunternd zu und wir messen Bizepts- gegen Bauchumfang. Und zumindest in diesem Fall habe ich längst haushoch gewonnen!

 

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