Auf Wiedersehen an der Milchbar, Kleines! Oder die ersten sechs Wochen mit einem Neugeborenen

Ich bin sehr froh normale zusammenhängende und durchaus auch kluge Sätze formulieren zu können. Aber in einem macht sich die viel propagierte Stilldemenz doch bemerkbar: Gedanken, die ich eigentlich äußern wollte, fliegen einfach weg. Es ist als könnte ich sie noch sehen, sie festhalten. Wie eine lange Pause, in der ich einfach verstumme, mitten drin, nicht mehr weiß, was ich sagen wollte, aber auch keine Alternative habe, um das Gespräch am Laufen zu halten. Einfach nichts. Auch mal gut, denke ich. Da denke ich halt mal nichts. Sendepause.

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 Stillkunst oder stille Kunst

Was ich allerdings bedenklich finde, ist eine regelrechte Rechtsschreibdemenz. Plötzlich weiß ich nicht mehr wie man die einfachsten Worte schreibt. Ich schaue mir meinen Satz an und sinniere minutenlang was daran so ungewöhnlich aussieht und welcher Buchstabe nicht ins Bild passt. Irgendwann fällt der senile Groschen: lang gehört mitten im Satz klein geschrieben! Schade, sah so schön aus das große L. So vornehm, so eigen. Vielleicht sollte ich einfach die Worte so nehmen wie sie kommen, mal sehen, was dabei herauskommt. Stillkunst oder stille Kunst. Wie stille Post, nur dass ich mein Spiel ganz allein spiele. Überhaupt ist man ganz schön allein so stillend und wickelnd und ich muss schon sehr aufpassen, dass mir die Decke nicht stückchenweise auf den Kopf prasselt.

Zieht doch mal eure Hightech-Meilenstiefel aus!

Dafür denke ich die absonderlichsten Gedanken zu den absonderlichsten Zeiten. So wie neulich, während der ersten Stilletappe nachts um drei. Als ich mich fragte, warum noch keiner auf die brillante Idee gekommen ist, Energie mit der Schwitz-Wärme von stillenden Frauen zu erzeugen. Ich schwitze nächtlich nämlich so, dass ich mich schon fragte, ob mir heimlich jemand fünf Wärmflaschen unter die Bettdecke geschoben hat (und das mitten im Sommer!).

Überhaupt, was mir so für Gedanken kommen. Oder vielleicht auch ganz normal in meinem Zustand. Oft denke ich, dass alles viel zu laut ist. Und dann möchte ich schreien: man haltet doch mal die Luft an! Macht mal langsam, macht mal ruhig. Das ist doch alles viel zu laut, viel zu hektisch. Zieht doch mal eure Hightech-Meilenstiefel aus und kommt mal runter, hier zu mir aufs Sofa. Alle zwei Stunden Stillpause. Da kann man gar nicht anders als zu entschleunigen.

Föngeräusche in allen erdenklichen Varianten

Auf der Suche nach besonders effektiven Einschlaftricks spuckt mir das Internet Föngeräusche in allen erdenklichen Varianten aus: als 10er-Pack auf itunes, als 30- oder 90-Minuten-Version bei Youtube. Alternativ auch Staubsaugergeräusche oder Womb-Sounds (ja tatsächlich). Immer mit fröhlichen Zusätzen wie „Endlich wieder acht Stunden Schlaf!“
Von da an verwandelt sich das Schlafzimmer soundtechnisch in einen Maschinenraum und ich fühle mich bald selbst wie unter Wasser. Die beruhigende Wirkung ist nicht auszuschließen. Von einem acht-Stunden-Schlaf allerdings nicht die Rede und es bleibt weiterhin ein Rätsel wann der Schlaf das winzige Unruhepaket übermannt. Eher noch schlafe ich selber ein. Bis mich der hungrige Gast wieder weckt:
Auf Wiedersehen an der Milchbar, Kleines!

 

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