Als der Zeitgeist poltern kam (und ich feststellen musste, was ich mit den Trumps und Terroristen gemeinsam habe)

Ein Gastbeitrag von Katharina Bergfeld

Es ist Samstagabend, ich sitze bei Jazz-Musik von Ella Fitzgerald, mit einem Rotwein neben dem Plattenspieler, während meine Tochter nebenan friedlich schläft und leise schnarcht. Es ist das Jahr 2017, eine kalte, nasse und heute neblige Februar-Nacht in Berlin-Kreuzberg. Seit einigen Wochen fühle ich mich immer häufiger an die Generationen meiner Groß- und Urgroßmütter erinnert, Suffragetten, Widerstand, Résistance. Und ich muss immer wieder an Jeanne d’Arc denken. Ich fühle mich, als müsste ich auf einem Pferd galoppierend, in Eisenrüstung und mit einem Schwert in der Hand, losziehen und die Welt retten. Mit wehenden Fahnen. Aus dem Gefühl der Ungerechtigkeit, der Hilflosigkeit und Untätigkeit heraus rennend, voll Tatendrang, Überzeugung und der Gewissheit für das Richtige eintreten zu wollen und zu müssen. Für meine Tochter, für mein Gewissen nicht zu lange zugeschaut zu haben, für Frieden, Menschlichkeit und Gerechtigkeit.

Mein Sinn für Gerechtigkeit war schon immer sehr ausgeprägt. Ich habe oft den Mund aufgemacht, wenn andere nur zugeguckt oder den Mund gehalten haben, vor lauter Glück, nicht selbst dem Hohn oder Spott ausgesetzt zu sein. Das hat mir schon in der Schulzeit nicht immer nur Beliebtheitspunkte gebracht, sondern hat mich, nicht nur einmal, auf die Seite derjenigen katapultiert, für die ich mich eingesetzt habe.

Seit Snowden 2013 öffentlich die NSA-Machenschaften zum Schutz der Öffentlichkeit und Privatsphäre aufdeckte und dafür von Medien und Regierungen nicht als Held gefeiert, sondern als Verräter verstoßen wurde, fühle ich mich von Jahr zu Jahr mehr politisiert. Wie kann es sein, dass nach diesem Skandal nichts passierte? Dass alle nach einer ersten Aufruhr am Ende einfach weiter machten, wie zuvor, die Bevölkerung sowie auch die Regierungschefs? Das habe ich überhaupt nicht verstanden und es ging an meinem Gerechtigkeitssinn und Wahrheitsempfinden total vorbei. Ein Mann, dem sein eigenes Wohl weniger wichtig war, als das der Bevölkerung, der Demokratie und der Freiheit. Von dem was ich weiß, ist das wahre Charaktergröße. Unkorrumpierbares Eintreten für Werte und Humanismus. Aber dieser Mann lebt in Russland, im Exil untergetaucht, dem einzigen Land, dass die Eier hatte den USA die Stirn zu bieten. Währenddessen klebt der Aysl-für-Snowden-Aufkleber immer noch bei uns im Flur am Spiegel.

Immer mehr politische Ereignisse haben seitdem dazu geführt, dass ich mein Leben und meine Erfahrungen nicht mehr losgelöst von der Weltlage betrachten kann: Finanzblase, millionenhohe Abfindungen für Manager, die eigentlich alles verkackt haben. Staatsbankrott in Island, Portugal, Griechenland. Zig-tausende Flüchtlinge aus den arabischen Ländern und Afrika, die zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken, Diskussionen über Obergrenzen für Geflüchtete. IS-Terror und -Macht in arabischen Staaten, terroristische Anschläge in Belgien, Paris, Nizza, und schließlich in Berlin auf dem Weihnachtsmarkt. Dazu ein schmelzender Nord-und Südpol, immer mehr Tierarten, die verschwinden, sogar die Giraffe ist auf der roten Liste der vor dem Aussterben bedrohten Tiere. Gründung und Aufstieg der AfD-Partei sowie in immer mehr Ländern Europas, an Einfluss und Macht gewinnende rechte Parteien. Rechtspopulismus, Ausländerfeindlichkeit. Türkei und Russland entwickeln sich zu Diktaturen, Groß-Britannien hat für den Brexit gestimmt. In Kolumbien hat die Bevölkerung gegen den Frieden gestimmt. Und ein sexistischer, hassender Donald Trump hat es Ende letzten Jahres zum Präsidenten der USA gebracht.

In den frühen Achtzigern geboren, war ich mit meinen Eltern zwar bei einigen Menschenketten gegen Atomkraft, in meiner Erinnerung immer auf den Schultern meiner Eltern sitzend. Ich habe meinen bei Greenpeace engagierten Vater Vorträge gegen Klimawandel halten hören und den Golfkrieg mit größter Sorge vor dem Fernseher in der „Tagesschau“ verfolgt. Aber im Großen und Ganzen wuchs ich mit dem Gefühl von Sicherheit und Frieden auf. Eine stabile Demokratie ist, (bzw. war ?) absoluter Common Sense, ebenso wie Presse- und Meinungsfreiheit, Frieden, ein steter Kampf für Gleichberechtigung und Toleranz. Love Parade, Christopher Street Day, GLBT Rights, Homo-Ehe und jedes Jahr zum 1. Mai ein Familienfest mit allen Kulturen dieser bunten Stadt, die zusammen tanzen. All das gehört wie selbstverständlich zu meinem Leben und Alltag. Privilegiert, dadurch verwöhnt und verschont, wie mir nun scheint. Es wurde gefühlt eigentlich immer nur besser als schlechter in meinen Augen. In Irland habe ich 2004 die Ost-Erweiterung der euphorisch zusammen wachsenden und sich vergrößernden EU gefeiert. Bei Reisen habe ich erfahren, dass ich, egal wo ich hinfahre, immer nette Leute treffe und ich mich nie einsam oder unsicher gefühlt habe, auch wenn ich alleine gereist bin. Bange machen gilt nicht, hat meine Oma immer gesagt. Ich kann voll Vertrauen an irgendwelche abgelegenen Orte fahren, weil ich mittlerweile oft genug erlebt habe, dass überall gute Begegnungen und Sympathie möglich sind und oftmals wie auf mich zu warten schienen.

Im März 2016 habe ich meine ersten politischen Tränen geweint. Mit Dokumentarfilm-Kollegen aus ganz Europa habe ich eine intensive, tolle Arbeitswoche verbracht und am letzten Abend wurde ich von einem der teilnehmenden Griechen gefragt, wie ich als Deutsche denn die Finanzpolitik Merkels mit meinem Gewissen vereinbaren kann, während er mit dem Finger auf mich zeigte und immer aggressiver werdend darüber sprach, wie die Griechen gelitten haben in den letzten Jahren, Kinder zur Adoption freigegeben wurden, da die Eltern sie nicht mehr ernähren können, während ich in Deutschland lebend ein hübsches, sorgenfreies Leben mit meiner kleinen Familie verbringe. Uns nach einer gemeinsamen Arbeitswoche auf unsere Nationalitäten zu reduzieren und mit dem Finger zu zeigen, hat mich absolut erschrocken. Seinen Anschuldigungen und Aggressionen habe ich mich in einem langen Streitgespräch gestellt. Aber mein Gefühl war, dass ich von anderen Leuten, die mich auf der Straße hätten Deutsch reden hören, vielleicht auch direkt eine aufs Maul bekommen hätte, wenn sie mit derselben Verachtung und der Wut, nicht nur über die Politik eines anderen Landes denken, sondern jeden Menschen aus dem Land als 1:1 Vertreter dieser Politik betrachten – und den Menschen hinter der Nationalität einfach ausblenden. Nicht, wegen des Gesprächs und dem Typ an sich war ich emotional außer mir, sondern weil es für mich ein Spiegel der Situation in Europa war. Und ich zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren habe, dass das Verbundenheitsgefühl in Europa durch die politischen Entscheidungen an seine Grenzen gebracht werden kann. Wenn ein Land mit Solidarität aufhört, wird das andere Land nicht ewig damit weiter machen und so entfremden sich schlussendlich auch die Völker wieder. Die Menschen werden an ihre nationalen Identitäten erinnert, bis das vereinende, menschliche, grenzüberschreitende immer weniger eine Rolle spielt.

Daran jetzt zu denken, lässt mich schaudern, weil darin tatsächlich so vieles zu finden ist, was sich im Laufe des letzten Jahres weltweit immer weiter zugespitzt hat. Mündend in der Präsidentschaft eines Irren, der zunächst während seines Wahlkampfes drohend und nun konkret innerhalb seiner ersten Amtswoche, diverse rassistische, sexistische, verfassungswidrige, menschenverachtende Äußerungen von sich gegeben und schließlich nun dazu Dekrete erlassen hat: Gegen Abtreibung, gegen Klimaschutz, gegen Moslems, gegen Mexikaner, gegen arabische Staaten, gegen Frauen, gegen Presse, gegen Justiz, gegen Toleranz, gegen Respekt, gegen Frieden, gegen Wahrheit, … Kurz: Gegen alles, was in meiner Welt wichtig, richtig, schützenswert und common sense war!

Die Nachrichten und Ereignisse überschlagen sich in diesen ersten Wochen des Jahres. Die Tage verbringe ich einigermaßen konzentriert arbeitend, am Abend lese ich Nachrichten und bin außer mir. Vor Wut! Ich bin so grundfest wütend, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Bis vor zwei Wochen dachte ich, wir müssten jetzt alle ganz schnell auf die Straßen gehen. Handeln. Uns nicht einverstanden erklären, uns zeigen, gegenhalten. Mit einem globalen Aufschrei das Undenkbare doch noch abwenden. Damit alles wieder gut wird. Damit alles wieder wird wie vorher.

Es gab in den letzten Wochen und Monaten grandiose, böse Satirebeiträge, zahlreiche schlaue Analysen in den Medien und, mein bislang größter Hoffnungsmoment, einen weltweiten „Women’s March“ an dem insgesamt fünf Millionen Menschen teilnahmen, für Menschenrechte, Gleichberechtigung und Toleranz auf die Straße gingen. Mit unserer Tochter waren wir am Brandenburger Tor dabei. Auf Facebook posteten meine „Freunde“ aus aller Welt Bilder von diesen Frauen- bzw. Friedensmärschen, was zwei Tage lang Balsam auf meine fassungslose, erschütterte Seele war. Die pinke Katzenmütze („Pussy grabs back“) wurde zum Symbol für das „Normale“, wohin die fünf Millionen und all die anderen Tausend, die an dem Tag einfach verkatert oder durch den Geburtstag der Großmutter verhindert waren, hin zurück wollten. Da seid ihr ja! Ich bin also doch nicht allein, dachte ich immer wieder. Ich bin mit meinen Werten doch nicht zu einer Minderheit geworden. Gut. Wir reißen das Ruder noch rum – das dachte ich natürlich nicht. Aber irgendwo war da diese Utopie, dass dieser Alptraum doch noch zu Ende gehen würde und wir alle, in Angstschweiß gebadet, aufwachen könnten.

Vor einigen Tagen ist der Groschen bei mir irgendwie gefallen. Ich weiß gar nicht genau, was dazu geführt hat. So viel passiert die ganze Zeit.

Die Trump Regierung provoziert glaub ich ganz gezielt dieses Chaos, dass keiner mehr hinterher kommt. Vielleicht war es das sofortige Absetzen der Justizministerin Sally Yates, die sich weigerte Trumps verfassungswidrigen „Moslem-Bann“ umzusetzen. Oder die „alternative facts“ und die Nachricht darüber, dass sich die Beraterin Conway ein von Flüchtlingen verübtes Massaker ausdachte, um den „Bann“ zu rechtfertigen. Oder dieser Chef-Berater Bannon, der öffentlich sagte, dass er die EU zerschlagen möchte, oder die Äußerung, dass man Folter wieder einführen möchte, oder das permanente Erwähnen der Atombombe mit dem Hinweis, dass man keine Konflikte scheue…   What ever. What the fuck. Geht’s noch??

Während mir in den Nachrichten die neuen Erlässe und Maßnamen der Regierung nur so um die Ohren fliegen, vergeht mir der Appetit. Menschen demonstrieren weiterhin und unablässig, das bekomme ich mit. Das Berufungsgericht hat gegen den „Muslim-Bann“ entschieden, gut! Aber ich bekomme kaum etwas von den Menschen aus dem Land und über die Stimmung mit. Präsenter bleiben Meldungen über surreale Pressekonferenzen, Gesetzentwürfe, das Demonstrationsrecht einzuschränken und Oppositionelle mit Gefängnis zu betrafen… Ich vermute, dass es zahlreiche Übergriffe auf Moslems, Mexikaner oder Schwarze geben könnte. Die bewaffneten Trump-Anhänger, deren Angst vor Nicht-Weißen stetig geschürt wird sowie der fast wörtliche Aufruf des Irren, die Macht des Landes an das Volk zurück zu geben und Straffreiheit nahezulegen, lassen mich den Teufel an die Wand malen. Die Rolle der Medien auf beiden Seiten des Atlantiks ist dabei auch mehr als fragwürdig, denn sie macht vor allem Stimmung, schürt Ängste und wiederholt echohaft den Müll, den der neue US-Präsident von sich gibt.

Seit ich neulich Abend zum ersten Mal mein Jeanne d’Arc Gefühl in Worte fasste, habe ich viel über dieses Bild und den Kampf-für-das-Richtige-und-Wichtige nachdenken müssen – zu welcher Erkenntnis mich das gebracht hat, hat mich selbst erschrocken:

Ich fühle mich bedroht. Bedroht vom Verlust meiner Sicherheit und Werte, sprich der neuen US-Diktatur in spe, der Willkür und Unmenschlichkeit. Es überkommt mich in letzter Zeit immer öfter das Gefühl von Panik angesichts dieser Bedrohung meiner freien Welt, meines Selbstverständnisses, meines Vertrauens, meiner Zukunft und vor allem der Zukunft meiner Tochter.

Die AfD-Wähler in Deutschland, die Pegida-Anhänger, die ganz normalen Leute, die sich nun trauen, ihren Rassismus nicht mehr zu verbergen, ebenso wie die Trump-Anhänger und das Trump-Trupp selbst. Sie alle fühlen sich ebenso bedroht, wie ich. Nur von anderer Seite. Sie haben Angst vor den Anderen, den Fremden, den ganzen Flüchtlingen, dem islamistischen Terror. Dass ihnen was weg genommen wird. Viele eher rechte und konservative Medien und Politiker geben ihnen das Gefühl, dass dies eine Bedrohung sei, die sie abwenden müssen und können, in dem sie ihre Abneigung dagegen deutlich machen. Mit wehenden Fahnen kämpfen sie auf Demos und an Wahlurnen für ihre Version von richtig und wichtig.

Dann gibt es die radikalisierten islamistischen Kämpfer, die in Syrien beim IS-Staat ausgebildet wurden oder anderweitig in ihren mitunter westlichen Heimatländern radikalisiert wurden. Diejenigen, vor deren Terror die Menschen aus vielen arabischen Staaten fliehen, diejenigen vor deren Terror sich die westliche Welt schützen möchte. Hier liegt einer der gefährlichsten Denkfehler von den immer populärer werdenden Rechten: Da es Fälle von Terror-Attentätern gab, die als Flüchtlinge in die jeweiligen Länder gekommen sind, werden nun in vielen Medien und Köpfen die Geflüchteten gleichgesetzt mit denjenigen, vor denen man sich schützen müsse. Während die Geflüchteten selbst ja auch nur Opfer derselben Gewalt und desselben Terrors sind, vor denen die westliche Welt sich so fürchtet.

Die radikalisierten Terroristen sind, von dem was ich dazu lesen konnte, oft Menschen, die Anschluss suchen, die haltlos sind und etwas suchen, an dem sie sich ideologisch und inhaltlich festhalten können, weil die Gesellschaft und Familienstrukturen eine soziale Einbindung oft nicht mehr so erlaubt. Der Hass auf die westliche Kultur wird dort als das Feindbild gezeichnet. Sie streben nach einer patriarchalen, konservativen, religiösen Gesellschaft und sehen ihr entworfenes Ideal bedroht durch unseren freiheitlichen Lebensstil, der ihnen unmoralisch und willkürlich erscheint, wo alles möglich ist, klare Regeln und Standards unterwandert werden. Sie ziehen mit tatsächlich gezogenem Schwert los und kämpfen wiederum für ihre Version von richtig und wichtig, in der Hoffnung ihre Ideale und Werte durchzusetzen. Diese Menschen fühlen sich bedroht von Menschen wie mir und dem westlichen Lebensstil.

Während mein Bedrohungsgefühl weit weniger von den radikal-islamistischen Attentaten her rührt, als viel mehr und viel unmittelbarer vom diktatorischen Gebaren der US-Regierung und dem Rechts-Ruck durch fast alle westlichen Länder.

Und damit schließt sich der Kreis. Wir sind uns gegenseitig die größte Bedrohung geworden. Und ich finde mich emotional plötzlich wieder in den Trumps und Terroristen dieser Welt… Fressen und gefressen werden. Bedrohen und sich bedroht fühlen. Richtig und wichtig. Jede Gruppe für sich denkt, ihre Welt und ihren Lebensstil retten zu müssen.

Dabei vergessen wir, dass wir doch auch in einem Boot sitzen. Dass wir alle Menschen sind. Mit einem Sicherheitsbedürfnis. Mit Ängsten, mit Hoffnungen, für uns und unsere Kinder. Wer will denn, dass ihre/seine Kinder einen Krieg erleben müssen? Wer ist nicht schon mal gereist oder umgezogen und war plötzlich selbst die/der Fremde? Wer will nicht, dass ihr/ihm mit Respekt und Würde begegnet wird? Wer will denn, dass immer mehr Tierarten aussterben? Wer will Fisch aus vermüllten Ozeanen essen? Wer will denn die Erde kaputt machen? Ja, das klingt direkt wahnsinnig naiv, aber das Menschsein bringt doch einen gemeinsamen Nenner mit sich.

Seit zwei Wochen gehen wirklich alle auf die Barrikaden. Auch Obama hat sich mittlerweile zu Wort gemeldet. Alle appellieren an die Demokratie, die Verfassung, die Menschenrechte. Aber sie alle sind nun doch machtlos, denn der wilde Affe sitzt auf seinem Thron und schmeißt mit seiner eigenen Scheiße um sich. Davon kann ihn so schnell nun auch niemand mehr abbringen. Er ist dort gelandet. Weil alle nicht glauben konnten, dass es ernst ist, und dass es von allem Grauen auch noch eine Steigerungsstufe geben kann. Es ist auch jetzt immer noch Platz nach oben in diesem weltpolitischen Alptraum. Aber dazu müssen wir in der Lage sein, uns doch mal auszumalen, was da noch kommen könnte. Und was wir zu verlieren haben. Vielleicht tut ein kleines bisschen Fatalismus da mal ganz gut. Um jetzt aktiv zu werden. Ansonsten guckt man immer nur weiter zu und wundert sich immer wieder, dass es soweit kommen konnte und das Noch-Schlimmere am Ende auch nicht abwendbar war.

Wir brauchen nichtsdestotrotz einen langen Atem. Denn dieser Alptraum hat gerade erst angefangen, bzw. scheint er es sich für’s Erste bequem zu machen. Geschichte passiert in Wellenbewegungen, sagt man. Der Höhepunkt des bestmöglichen Friedens und der bestmöglichen Demokratie scheint seinen Zenit nun leider überschritten zu haben. Besser wird es erst in 50 Jahren wieder. Wirklich?! Muss das sein? Wer schreibt denn die Geschichte? Und lernt man denn nichts aus Geschichte? Können wir denn nicht mitspielen bei der Schicksals-Lotterie unserer Generation?

Ich lebe nicht in den USA. Dennoch habe ich fast jeden Abend physische Reaktionen, Übelkeit und Schlaflosigkeit, angesichts dieser weltpolitischen Lage. Ich fühle mich mitverantwortlich. Gerade aus der Entfernung, in diesem gewachsenen Europa, unter einer demokratischen Regierung in einem Rechtsstaat, müssen wir doch agieren und uns einsetzen, mitmischen und rebellieren! Résistance!

Ich bin bereit. Ich lege mein Schwert nieder, das habe ich heute Abend entschieden. Aber ich bleibe auf meinem Ross! Und ich schwinge die Fahne. Und ich mache meinen Mund auf. Und ich weiß, dass ich nicht alleine bin. Wir haben doch alle irgendwo einen kleinen schnarchenden Engel liegen, dem wir irgendwann unsere Platten vorspielen und mit dem wir zusammen tanzen, lachen und leben wollen.

 

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1 Kommentar

  1. „Besser wird es erst in 50 Jahren wieder. Wirklich?! Muss das sein? Wer schreibt denn die Geschichte? Und lernt man denn nichts aus Geschichte? Können wir denn nicht mitspielen bei der Schicksals-Lotterie unserer Generation?“ Doch! Es wird in 50 Jahren besser, SOFERN wir „mitspielen“ und uns einmischen. Wenn wir nichts machen, wird es nur noch länger dauern. Es ist ja gerade erst der Anfang einer Entwicklung und bis zum Zusammenbruch wird noch einiges passieren. Mir geht es genau wie dir. Ich habe mich entschlossen den Blick auf all das zu richten wofür ich stehen möchte. Das hilft sehr… zumindest gegen das Gefühl der Bedrohung und Sorge. Das Tolle am women’s march oder auch an den moral marches ist ja, dass es nicht um die politische Gesinnung geht, sondern darum verbindende Eingenschaften / Interessen zu finden. Demokraten standen neben Republikanern, Schwarze neben Weißen, Pro-Choice-Aktivisten neben ProLife-Anhängern usw.. Sofern man nicht zum Politiker geboren ist, ist das alles was wir machen können: Für Austauch, Verständnis und Nähe sorgen. Du bist nicht allein! :)

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